Zur Ausstellung spricht Mag. phil Maria C. Holter
Brüche, das Fragmentarische, Spur und Zeichen, die Kraft der Semiose von der einfachen Wortbedeutung bis hin zu komplexen symbolischen Textsystemen sind wesentliche Faktoren im Werk von Sabine Müller - Funk. In ihren Glasobjekten und poetischen Zeichnungen überlagert sie Texte, zumeist Lyrik. Dabei folgt ihr Schreiben keiner linearen Form, vielmehr gestaltet sie aus den Texten ein neues Motiv, das zuweilen dem Text folgt, wie im Fall des Gedichts „Römisches Nachtbild“ von Ingeborg Bachmann, oder aber es entstehen weitere Bedeutungsebenen. In jedem Fall formt Müller-Funk durch die Überlagerung der Schrift, durch die Fragmentierung und die gestische Struktur dynamische interpretative Gedankenketten. Die Zeichnung oszilliert dabei zwischen Lesbarkeit und ihrem Verlust, so dass die Schrift zum Bild per se wird. Bachmanns Gedicht beginnt:“ Wenn das Schaukelbrett die sieben Hügel nach oben entführt, gleitet es auch, von uns beschwert und umschlungen ins finstere Wasser“ und endet mit dem Vers “keiner springt ab. So gewiss ists dass nur die Liebe und einer den andern erhöht“. So poetisch hat Bachmann selten über die Liebe geschrieben. Die Strophen des Sonetts folgen, wie auch die graphische Arbeit der Künstlerin, dem Auf und Ab der Schaukelbewegungen. Doch die Balance ist nur im gemeinsamen Zusammenspiel gewährleistet. (…) Müller-Funk spricht von der Sprache „….als einem Dazwischen-als einer halbdurchlässigen Membran, die es erlaubt, einerseits mit dem “Anderen“ in Kontakt zu treten, andererseits die Differenz zum „Anderen“ ins Bewusstsein zu bringen.